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RatgeberNr. 0128

Verluste aus Online Casinos zurückfordern: Stand der Rechtsprechung

Viele Gerichte haben Spielern Verluste bei Casinos ohne deutsche Erlaubnis zugesprochen. Eine Grundsatzentscheidung des BGH stand bei Redaktionsschluss noch aus.

Verluste aus Online Casinos zurückfordern: Stand der Rechtsprechung

Ob Sie Verluste aus einem Online Casino zurückfordern können, ist in Deutschland noch nicht abschließend geklärt. Viele Land- und Oberlandesgerichte haben Spielern Einsätze bei Anbietern ohne deutsche Erlaubnis zugesprochen. Der Bundesgerichtshof hat dazu ein Leitentscheidungsverfahren eingeleitet, eine Grundsatzentscheidung des BGH stand bei Redaktionsschluss am 29.10.2026 aber noch aus.

Wer auf ein schnelles Ergebnis hofft, sollte die offenen Punkte kennen: die Begründung der bisherigen Urteile, die laufenden Verfahren beim BGH und beim Europäischen Gerichtshof und die noch ungeklärten Fragen. Wir geben keine Rechtsberatung, empfehlen keine Kanzleien oder Prozessfinanzierer und können kein Ergebnis versprechen.

Worum es bei der Rückforderung geht

Der Ausgangspunkt ist einfach: Bis zur Neuregelung durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 und auch danach haben viele Anbieter Online-Casinospiele in Deutschland ohne deutsche Erlaubnis angeboten. Spieler, die dort Geld verloren haben, verlangen es zurück. Die Frage ist, ob die Verträge mit diesen Anbietern wirksam waren.

Die Begründung vieler Gerichte

Untere Gerichte haben solche Klagen laut einer Pressemitteilung des BGH vielfach zugesprochen. Ihre Argumentation verläuft meist in drei Schritten:

Schritt Argument Norm
1 Das Angebot ohne deutsche Erlaubnis verstößt gegen ein gesetzliches Verbot. § 4 Abs. 4 GlüStV
2 Ein Vertrag, der gegen ein gesetzliches Verbot verstößt, ist nichtig. § 134 BGB
3 Was ohne wirksamen Vertrag geleistet wurde, kann zurückgefordert werden. § 812 BGB

Ein Gegenargument der Anbieter lautet, der Spieler habe selbst gegen das Verbot verstoßen und könne deshalb nichts zurückverlangen (§ 817 Satz 2 BGB). Die Gerichte, die den Spielern recht gaben, haben diesen Ausschluss nicht angewendet. Als Beispiele nennt der BGH das Landgericht Heilbronn (Urteil vom 12.02.2025, 8 O 128/24) und das Oberlandesgericht Stuttgart (Urteil vom 29.09.2025, 5 U 113/25) in einem Verfahren gegen einen Casinobetreiber mit Lizenz aus Malta.

Die Verfahren beim BGH

Am 19.05.2026 hat der BGH das Verfahren I ZR 216/25 zum Leitentscheidungsverfahren nach § 552b ZPO bestimmt. Es betrifft die Erstattung von Verlusten aus Online-Casinospielen. Die mündliche Verhandlung war für den 17.09.2026 angesetzt.

Zuvor hatte der BGH am 17.02.2026 Verfahren ausgesetzt, um eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs abzuwarten. Das Verfahren C-440/23 geht auf eine Vorlage eines Zivilgerichts aus Malta zurück. Der EuGH hat darin am 16.04.2026 ein Urteil verkündet. Den Inhalt dieses Urteils konnten wir an der Originalquelle nicht prüfen, deshalb geben wir ihn hier nicht wieder.

Verfahren Gericht Thema Stand laut BGH
I ZR 216/25 BGH Erstattung von Online-Casino-Verlusten, Leitentscheidungsverfahren Verhandlung 17.09.2026, keine Entscheidung veröffentlicht
I ZR 78/25 BGH Verluste bei möglichem Spiel aus dem Ausland oder aus Schleswig-Holstein Verhandlung 17.09.2026, keine Entscheidung veröffentlicht
C-440/23 EuGH Vorlage aus Malta Urteil vom 16.04.2026
I ZR 90/23, beim EuGH C-530/24 BGH / EuGH Sportwetten und EU-Dienstleistungsfreiheit im Mai 2026 noch anhängig

Die Pressemitteilungen des BGH haben wir bis zur Mitteilung 204/2026 vom 27.10.2026 geprüft. Darin war keine Entscheidung in den Verfahren I ZR 216/25 und I ZR 78/25 enthalten.

Die Frage nach dem Spielort

Im Verfahren I ZR 78/25 geht es um Spieler, die womöglich aus dem Ausland oder aus Schleswig-Holstein gespielt haben. Das Oberlandesgericht München verlangte in diesem Fall (Urteil vom 24.02.2025, 17 U 2661/24 e), dass der Spieler für jedes Spiel nachweist, wo er es gespielt hat. Wie der BGH diese Beweisfrage sieht, ist offen.

Sportwetten: eine eigene Frage

Für Sportwetten hat der BGH am 25.07.2024 eine Frage an den EuGH vorgelegt (I ZR 90/23, beim EuGH C-530/24). Es geht darum, ob die EU-Dienstleistungsfreiheit verhindert, dass Wettverträge nichtig sind, wenn der Anbieter eine Erlaubnis beantragt hatte und das Erlaubnisverfahren gegen EU-Recht verstieß. Der BGH ließ vorläufig erkennen, dass er eher zur Nichtigkeit neigt. Im Mai 2026 war das Verfahren noch anhängig. Wer nach Sportwetten-Verlusten fragt, sollte also wissen, dass hier eine eigene, ungeklärte Rechtsfrage besteht.

Was offen ist und was das für Sie heißt

  • Eine Grundsatzentscheidung des BGH stand bei Redaktionsschluss noch aus.
  • Der Inhalt des EuGH-Urteils C-440/23 und seine Folgen für deutsche Verfahren sind in unseren Quellen nicht dargestellt.
  • Ob der Spielort Spiel für Spiel bewiesen werden muss, ist offen.
  • Für Sportwetten ist die Vorlage beim EuGH noch anhängig.

Einzelne Urteile unterer Gerichte sagen nichts darüber aus, wie Ihr Fall ausgeht. Klagen kosten Geld und Zeit, und der Ausgang hängt von Details ab, die nur eine Rechtsberatung im Einzelfall bewerten kann. Auch die Suche nach einer Lösung ohne Anwalt ändert nichts daran, dass die Rechtslage offen ist. Seien Sie vorsichtig bei Werbung, die sichere Erstattungen verspricht: Ein solches Versprechen kann bei der aktuellen Rechtslage niemand seriös geben.

Unterlagen, die in jedem Fall nützlich sind

Unabhängig davon, ob Sie etwas unternehmen: Es schadet nicht, die eigenen Unterlagen zu ordnen. Dazu gehören Kontoauszüge mit Zahlungen an Anbieter, Bestätigungs-E-Mails und gegebenenfalls Auszüge aus dem Spielerkonto. Das hilft auch, sich selbst einen ehrlichen Überblick über die Verluste zu verschaffen.

Wenn Verluste belasten

Hohe Verluste sind oft ein Zeichen dafür, dass das Spielen außer Kontrolle geraten ist. Dann ist der erste Schritt nicht die Klage, sondern Unterstützung. Die Telefonberatung zur Glücksspielsucht des BIÖG ist kostenlos unter 0800 1 37 27 00 erreichbar. Weitere Angebote finden Sie unter Hilfe bei Spielsucht. Eine Spielersperre über die OASIS-Sperrdatei schützt vor weiteren Verlusten bei zugelassenen Anbietern. Wie Sie zugelassene Anbieter erkennen, erklärt der Ratgeber zur GGL-Whitelist, den Rechtsrahmen die Seite zum Glücksspielstaatsvertrag 2021.

Fragen und Antworten

F1Kann ich Verluste aus einem Online Casino zurückfordern?
Viele untere Gerichte haben Spielern Verluste bei Anbietern ohne deutsche Erlaubnis zugesprochen. Eine Grundsatzentscheidung des BGH stand bei Redaktionsschluss aber noch aus. Ihr Einzelfall kann nur in einer Rechtsberatung bewertet werden.
F2Was ist das Leitentscheidungsverfahren beim BGH?
Der BGH hat am 19.05.2026 das Verfahren I ZR 216/25 nach § 552b ZPO zum Leitentscheidungsverfahren bestimmt. Es soll die Frage der Erstattung von Online-Casino-Verlusten grundsätzlich klären.
F3Gilt das auch für Sportwetten?
Für Sportwetten ist eine eigene Frage beim EuGH anhängig (C-530/24). Sie betrifft Anbieter, die eine Erlaubnis beantragt hatten. Im Mai 2026 war sie noch offen.
F4Muss ich beweisen, wo ich gespielt habe?
Das ist Gegenstand des Verfahrens I ZR 78/25. Das OLG München verlangte einen Nachweis für jedes Spiel. Wie der BGH entscheidet, ist offen.
F5Empfehlen Sie eine Kanzlei?
Nein. Wir geben keine Rechtsberatung und empfehlen keine Kanzleien oder Prozessfinanzierer.